Schilfmantel als Regenschutz
Der Regenschutz wurde aus unterschiedlich langen, schmalen Lindenbaststreifen gefertigt. Diese wurden um ein Baumwollband gelegt und durch eine eingeflochtene Schnur bündelweise fixiert. Regenumhänge aus Bast, Gräsern oder Schilf waren in den Alpen bis ins 20. Jahrhundert hinein für die Arbeit im Freien weit verbreitet. Am Bast bzw. an den Blättern perlten Regentropfen sehr gut ab und regenfeste Umhänge und Mäntel aus Textil oder Leder waren teuer. Wie alt genau der Bastmantel in den Sammlungen des Volkskundemuseum Wien ist, ist unbekannt.
Geschichte dieser Sammlungsrarität
Dieser Regenschutz wurde 1909 von Wilhelm Tschinkel, einem in der Gottschee, Slowenien und in Kärnten tätigen Lehrer und Volkskundler, angekauft. Der Regenmantel war von 1994 bis Ende 2023 als sogenannter Grasmantel in der Dauerausstellung des Volkskundemuseum Wien ausgestellt. Dementsprechend verblasst, spröde, brüchig und fragil war das Material.
2025 wurde der Mantel mit Lasertechnologie behutsam und berührungsfrei gereinigt. Die Bearbeitung erfolgte von außen nach innen zuerst an den Außenseiten, anschließend an den Rückseiten der Baststreifen. Nach der Laserreinigung wurden die Streifen vorsichtig wieder in der ursprünglichen Position abgelegt. Die Restaurierung bewahrt den Mantel vor dem Zerfall und wird dieses einzigartige Zeugnis von vergangenen alpinen Lebensumständen für die Zukunft erhalten.
Spende des Vereins der Museumsfreunde
Das Projekt zur Restaurierung des Regenmantel wurde mit einer Spende von € 9.672,- unterstützt.
Der Verein der Museumsfreunde fördert seit 1912 kunsthistorisch wertvolle und wichtige Projekte und ist in der qualitätsvollen Kunst- und Kulturvermittlung tätig.
Schilfmantel, ÖMV/76.266
© Volkskundemuseum Wien / Foto: Christa Knott
Kroatischer Schafhirte in einem Regenmantel aus Schilf, handkolorierte Lithografie, um 1821, ÖMV/66.635
© Volkskundemuseum Wien / Foto: Christa Knott






